Bad Driburg (red). Die Tenniswelt blickt derzeit auf das „Gerry Weber Open“ in Halle. Die Faszination dieser Veranstaltung liegt nicht allein im „Tennistainment“, wie das facettenreiche Rahmenprogramm auch genannt wird. Die Turniere werden vorwiegend auf überdachten Rasenplätzen ausgetragen, was dem Sportevent einen ganz besonderen Charakter verleiht. Öffentliche Rasen-Tennisplätze sind in Deutschland rar und üben eine ganz besondere Faszination aus. Marco Höttinger, Jüngstenkoordinator und Verbandstützpunkttrainer des Westfälischen Tennisverbands e.V., machte auf den Rasenplätzen des Gräflichen Parks seinen ersten Selbstversuch. 

Der Diplomtrainer des Deutschen Olympischen Sportbundes wollte immer schon mal ein Match auf einem Rasenplatz spielen. Die besondere Beschaffenheit des Untergrundes macht sich schon beim ersten Betreten des speziellen Tennisrasens bemerkbar. „Es fühlt sich an wie ein Teppich“, stellt der Trainer fest. „Der ‚Hype‘ um Tennis auf Rasen hängt sicher auch mit dem Gerry Weber Open zusammen“, meint er. „Die Rasenflächen dort werden auf Paletten gepflegt und erst kurz vor dem Turnier auf den Courts ausgelegt. Das ganze Event ist clever angelegt und übt eine große Faszination aus“, schwärmt der 49-jährige Sportler aus Leidenschaft. „Der Untergrund ist mit einem Ascheplatz überhaupt nicht vergleichbar“, stellt er im lockeren Match auf dem Rasenplatz fest. „Der Ball verhält sich absolut anders, die Ballwechsel sind viel schneller. Die Spannung liegt darin, dass ich meine Entscheidungen während des Spiels sehr viel schneller treffen muss“, lautet sein Fazit.

Der engagierte Tennisprofi trainiert acht bis zwölfjährige Nachwuchsspieler bis hin zu den Besten. Er ist für die Talentsichtung im Jüngstenbereich in Westfalen zuständig und ist sicher, dass auch seine Schützlinge gern einmal auf Rasen spielen wollen. Öffentliche Rasen-Tennisplätze sind rar in Deutschland. Neben den neun Courts in Halle, auf denen außerhalb der Gerry Weber Open eine freie Nutzung möglich ist, gibt es noch einen Court in Stuttgart. Allein mit regelmäßigem Rasenmähen ist die Erhaltung eines Rasenplatzes nicht getan, auch das exakte Auftragen der Linien mit Spezial-Farbe und das Walzen des Untergrundes gehören dazu. Zusätzlich bergen Rasenplätze das Regen-Risiko: „Auf Sand kann man auch bei Nieselregen noch spielen. Die Partien auf Rasen hingegen müssen schon bei leichter Nässe aufgrund der erhöhten Rutschgefahr abgebrochen werden“, erklärt Marco Höttinger die Schwierigkeiten des Spiels auf Rasen. „Die Rasensaison ist extrem kurz und die Gelegenheiten, auf Rasen zu spielen, sind entsprechend selten“, freut sich der Tennistrainer, dass er diesen Untergrund im Gräflichen Park testen kann. Tennis hat im Gräflichen Park eine lange Tradition. Wo heute die Konzertmuschel steht, waren 1899 schon die ersten Rasen-Tennisplätze.

Der „Tennisbaron“ Gottfried Freiherr von Cramm war der Patenonkel von Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff und nutzte die Plätze als Trainingsort, um sich unter anderem auf Wimbledon und Roland Garros vorzubereiten. Um die Erhaltung der Rasenplätze im Gräflichen Park, die in ihrer jetzigen Form 1997 eröffnet wurden, kümmert sich Parkdirektor Heinz Josef Bickmann. Die beiden Plätze sind ganz besonders konstituiert, denn zwischen den zwei vorhandenen Rasenplätzen lässt sich für Turniere ein drittes Spielfeld erstellen. Die werbefreie Location bietet außerdem eine attraktive Kulisse für Fotoshootings. Ein Student der Fachhochschule Osnabrück hat in 2008 im Gräflichen Park sogar Forschungen über Rasenplätze betrieben und in einer Diplomarbeit zusammengestellt. Die komplette Tennisclubanlage im Gräflichen Park besteht aus zwei Rasenplätzen, vier Sand- und vier Hallenplätzen. Sie werden nicht nur von Hotelgästen genutzt, sondern können auch separat gemietet werden. „Die Atmosphäre ist schon ganz besonders hier“, beschreibt Marco Höttinger seinen Eindruck über das Spiel in der grünen Landschaft.

Foto: Graf von Oeynhausen-Sierstorpff GmbH & Co. KG Holding