Riesel (red). Wenn am Montag, 29. Juni um 19 Uhr die Kerzen wieder den Weg zur Kapelle Maria Heimsuchung erleuchten, feiert die Lichterprozession in Riesel ein besonderes Jubiläum. Zum 35. Mal lädt die Katholische Frauengemeinschaft (kfd) zu diesem traditionsreichen Glaubens- und Begegnungsabend ein.
Die Idee zur Lichterprozession entstand im Jahr 1990. Die damaligen kfd-Vorstandsmitglieder Hannelore Multhaupt, Elisabeth Höschen, Wilma Kaiser und Rosel Wittrock hatten von einer ähnlichen Veranstaltung gelesen und waren sie sich einig: „So etwas müssten wir auch in Riesel machen.“ Bewusst wählten sie den Montag vor dem Schützenfest und das Fest Maria Heimsuchung als Termin. Denn gerade die Frauen waren während der Schützenfesttage häufig stark eingebunden: Verwandtschaft wurde erwartet, es musste gekocht und vorbereitet werden. Viele konnten so die traditionelle Schützenfestprozession nicht entspannt genießen. Die neue Prozession sollte deshalb besonders den Frauen einen eigenen Raum für Gebet und Gemeinschaft schaffen. Dabei stand das Fest Maria Heimsuchung ganz bewusst im Mittelpunkt. Es erinnert an das Zusammentreffen von Maria und Elisabeth. Genau dieser Gedanke des Miteinanders sollte auch die Lichterprozession prägen. Zudem ist die Kapelle am Wald in Riesel Maria Heimsuchung geweiht, ein weiterer Grund, warum Termin und Ziel der Prozession so gut zusammenpassten.
Zur ersten Prozession luden die Rieseler Frauen die kfds der Nachbargemeinden Rheder, Istrup und Brakel ein. Bereits über 100 Frauen kamen damals zusammen. Nach einer Meditation in der Kirche setzte sich die Prozession in Bewegung. Singend und betend, begleitet vom Rosenkranz, führte der Weg den Berg hinauf zur Kapelle. Vor Ort wurde eine Marienandacht gefeiert. Die große Resonanz des ersten Jahres machte den Organisatorinnen Mut, die Prozession fortzuführen. „Wir wollten gerne eine eigene Fahne mit auf die Prozession nehmen“, erinnert sich Hannelore Multhaupt. „So ließen wir eine Fahne anfertigen, die die Begegnung von Maria und Elisabeth darstellt“, ergänzt Elisabeth Höschen. Bereits 1991 wurde diese bei der Lichterprozession von Pastor Ester gesegnet.
Schnell wurde die Lichterprozession auch über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. In Spitzenzeiten nahmen mehr als 400 Frauen an der Lichterprozession teil. „Ohne Mikrofon war es zu Beginn häufig eine große Herausforderung von den vielen Frauen gehört zu werden“, erinnert sich Elisabeth Höschen, „da sangen die vorderen Frauen schon mal ein anderes Lied als die Frauen hinten. Das ist es heute dank mobiler Lautsprecher einfacher geworden“.
Eine besondere Erinnerung hat Hannelore Multhaupt bis heute lebendig vor Augen: Während einer Prozession begann es etwa auf halber Strecke zu regnen. Über das Mikrofon kündigte sie an, man werde umkehren und in die Kirche zurückgehen. Doch die Antwort der Teilnehmerinnen kam prompt: „Nein, wir haben alle einen Regenschirm dabei! Wir gehen zur Kapelle!“ Dort angekommen zeigte sich wieder die Sonne und man konnte den Gottesdienst unter freiem Himmel feiern. Bis heute ist die Prozession nur sehr selten ins Wasser gefallen, sodass die Frauen ihr Fest im Dorfgemeinschaftshaus hätten feiern müssen.
Im Jahr 2000 übergab der Gründungsvorstand die Verantwortung an die nächste Generation. Seitdem wird die Lichterprozession von den jeweils amtierenden kfd-Vorständen organisiert. Vieles wurde im Laufe der Jahre weiterentwickelt und an die Zeit angepasst, doch der Grundgedanke ist geblieben: Frauen zusammenzubringen und Gemeinschaft im Glauben zu erleben. Angetrieben wurden die Organisatorinnen damals wie heute vor allem von den vielen positiven Begegnungen. Das Gefühl, gemeinsam mit so vielen Frauen unterwegs zu sein und Teil einer großen Gemeinschaft zu werden, ist einfach unbeschreiblich.
Zum 35-jährigen Jubiläum lädt der aktuelle kfd-Vorstand am Montag, 29. Juni, um 19 Uhr zur nächsten Lichterprozession ein. Treffpunkt ist die Rieseler Kirche. Wer den Weg zur Kapelle nicht mehr zu Fuß bewältigen kann, ist eingeladen, direkt zum Gottesdienst an der Kapelle zu kommen, der gegen 19.45 Uhr beginnt. Zum Jubiläum gestalten die Mysterienspiele aus Kleinenberg eine Station an der Kapelle. Anschließend sind alle Besucherinnen und Besucher eingeladen, bei Würstchen und Fingerfood miteinander ins Gespräch zu kommen. Die kfd-Gruppen werden gebeten, ihre Fahnen mitzubringen und die Prozession mitzugestalten.
Foto: kfd