Donnerstag, 18. April 2019 09:49 Uhr

Verseuchtes Erdreich in Auenhausen? Radarstation gilt bislang nur als Verdachtsfall

Auenhausen (red). Ist das Erdreich der Radarstation in Auenhausen mit Chemikalien verseucht? Der Bayrische Rundfunk berichtet in seinem Artikel vom 16. April, dass bei 18 Liegenschaften der Bundeswehr eine Kontamination des Bodens vorläge. Weitere 108 Standorte würden als Verdachtsfälle gelten, darunter auch der Standort in Brakel-Auenhausen. Die meisten Standorte bundesweit seien jedoch in Bayern kontaminiert, so der Sender. Anwohner fühlten sich allein gelassen. Die Bundeswehr meine laut BR dazu: Für Information der Bürger seien örtliche Behörden zuständig. Ursache des Problems: Die Bundeswehr setzte über Jahrzehnte PFC-haltige Löschschäume (per- und polyfluorierten Chemikalien) ein. Diese Chemikalien verunreinigen nicht nur auf Bundeswehr-Gelände den Boden und das Grundwasser, sondern teilweise auch die Umgebung. Der Bundeswehr sei laut BR der erste PFC-Fall schon 2012 bekannt gewesen.

An der Radarstation in Auenhausen war bis 1993 eine Bundeswehr-Feuerwehr stationiert. Eine Sprecherin des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr erklärt auf Anfrage, dass schon alleine beim Vorhandensein einer Bundeswehr-Feuerwehr daher nicht ausgeschlossen werden könne, dass PFC-haltiger Löschschaum auf der Liegenschaft eingesetzt oder umgeschlagen wurde. Unseren Informationen zufolge soll es sich um Schwerschaum gehandelt haben, der in der Regel zu Übungszwecken verwendetet worden ist. Dieser wurde aus organischen Stoffen hergestellt. PFC steht unter anderem im Verdacht krebserregend zu sein. Die Chemikalie kann nicht abgebaut werden und bleibe für immer in der Umwelt. Vor allem der Stoff PFOS (Perfluoroctansulfonsäure) sei problematisch. Seine Verwendung wurde 2006 in der EU stark eingeschränkt und 2011 komplett verboten. Der Bundeswehr sei der erste PFC-Fall nach eigenen Angaben erst 2012 bekannt geworden, erst drei Jahre später hat sie jedoch damit begonnen, systematisch nach PFC-Kontaminationen auf ihren Liegenschaften zu suchen. Was Auenhausen betrifft, so sei dieser Standort im August 2015 als Verdachtsfall deklariert worden, so die Bundeswehr-Sprecherin. Nach Bekanntwerden des Verdachts wurde eine Erfassung und Erstbewertung der PFC-Verdachtsflächen im Rahmen des Altlastenprogramms der Bundeswehr veranlasst, erklärte die Sprecherin. Sofortmaßnahmen zur Gefahrenabwehr würden mit Priorität ergriffen, sofern sie nötig seien. In Auenhausen sollen nun zeitnah Boden- und Grundwasseruntersuchungen auf PFC durchgeführt werden, so die Bundeswehr. Man sei dabei, die Abwicklung der Maßnahmen in drei Phasen umzusetzen. Derzeit befinde man sich in Phase 2. An einer schnellen und umfassenden Aufklärung des Sachverhalts ist auch Bürgermeister Hermann Temme interessiert. Er weiß erst seit kurzem davon und nimmt die Sache sehr ernst. Die Radarstation sei bislang der einzige betroffene Standort in Ostwestfalen-Lippe.

Foto: Thomas Kube

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